Tikkun Olam

Tikkun bedeutet „Reparatur“ oder „Verbesserung“, Olam bedeutet auf Hebräisch „die Welt“. Demnach heißt Tikkun Olam, die Welt zu verbessern und ist inzwischen ein Motto aller jüdischen Weltverbesserer geworden.

Jüdische Ökoaktivisten berufen sich gerne auf Tikkun Olam, das oft als ihr erster Motivationsgrund gilt und zur Weltreparatur aufruft. Sehr fromme Juden verstehen den Kern der Weltverbesserung vor allem in der Einhaltung aller 613 Gebote und Verbote – die Welt wird nicht direkt und unmittelbar verbessert, sondern indirekt und langfristig durch Gebete und ein frommes Leben. Diejenigen aber, die den Begriff wörtlich verstehen, wollen Tikkun Olam als eine direkte Reparatur der Welt interpretieren und implementieren. Ein nachhaltiger Lebensstil bedeutet im Grunde nichts anderes, als die negativen Folgen unserer wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung zu reparieren bzw. vorab schon zu vermeiden, wo möglich. Es gibt auch viele Projekte die den Namen Tikkun Olam führen, darunter sammeln sich allerlei Vorhaben die durch gesunden Lebensstil und eine ökologische Interpretation des Judentums ihren Beitrag für eine bessere und saubere Welt leisten wollen.

Woher aber stammt der Begriff?

Die Quellensuche führt uns zunächst zur Mischna. Tikkun Olam kommt im Traktat Gittin vor (Gittin 4:2, 4:6 und 4:9). Ursprünglich heißt der Satz mip'nei tikkun ha-olam „Um die Welt zu verbessern“. Er hat hier eine auf die gesellschaftliche Ordnung begrenzte Bedeutung. Daher das Tikkun Olam doch aus der Mischna stammt und nicht aus der Bibel dient es als Hilfsmittel, um die soziale Ordnung zu bewahren.

Zudem taucht Tikkun Olam im Gebet Aleinu auf l'takken olam b'malkhut Shaddai, "die Wiederherstellung der Welt durch das Königreich Gottes“

Eine dritte Quelle, in der der Tikkun Olam vorkommt, sind die Midraschim von Rabbi Akiva. Midrasch Tanhuma handelt davon, dass die ganze Schöpfung und vor allem der Mensch einer Verbesserung bedürfe. Der Mensch solle nicht mit sich zufrieden sein und sei stets reparaturbedürftig.

Einerseits ist er zwar die Krone der Schöpfung, andererseits ist aber allein G-tt der Besitzer der Welt und der Mensch nur Schützer seiner Schöpfung. Dem Mensch fällt von G-tt die Rolle zu, die Welt und nicht nur die eigene Lebenssituation zu verbessern. Heutzutage sind es gerade unsere Bedürfnisse die das Ungleichgewicht in der Natur auslösen, das sich nicht mehr ignorieren lässt. Damit sind wir auch die Verantwortungsträger – Tikkun Olam, das 2000 Jahre alte Prinzip kann uns besonders viel lehren.