Zedek

“Recht, Recht verfolge” (Paraschat Shoftim, Dewarim 16:20)

Um soziale Unterschiede auszugleichen, gibt uns die Tora interessante Antworten: Schmitta (das Sabbatjahr) und das Jubeljahr. Allerdings gibt es in der Bibel ein ganzes ökonomisches Nachhaltigkeitsprogramm. Das schreibt jedenfalls Rabbi Troster von der „Green Jewish Alliance“:

„Tzedek bedeutet Rechtschaffenheit, Gerechtigkeit und Gleichheit. Dieser Wert versucht die Ungleichheiten zu korrigieren, welche die Menschen in der Gesellschaft und in der natürlichen Umwelt schaffen. In der modernen Welt strebt die Globalisierung danach, die Bewegungsfreiheit von Menschen, Information, Geld, Güter und Dienstleistungen zu verwirklichen, dadurch zerstört sie allerdings auch lokale Kulturen und die Umwelt. Während die Globalisierung für Millionen Menschen immensen Reichtum geschaffen hat, haben hunderte Millionen nichts von diesen Profiten gehabt und in einigen Fällen hatte dies einen negativen Einfluss auf die Umwelt und die Menschenrechte. Das jüdische Konzept des Zedek verlangt von uns, dass wir eine Weltwirtschaft schaffen, die nachhaltig und gerecht in der Verteilung von Wohlstand und Ressourcen ist.“

Das Judentum hat einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit. Wir müssen alle nach Gerechtigkeit streben, ein Wert, der im Judentum für ein ethisch motiviertes Handeln von zentraler Bedeutung ist. Was Gerechtigkeit in der Gesellschaft bedeutet, ist ein sehr schwieriges Problem, viele Philosophen haben sich schon darüber den Kopf zerbrochen. Im Judentum erscheint Gerechtigkeit als Wohltätigkeit, die einen Ausgleich der Unterschiede zwischen den Menschen bringen kann. Wir kennen auch das Prinzip Tikkun Olam (Reparatur der Welt), das uns auf dem Weg zu einer besseren sozialen Lage helfen kann. Schließlich wurden Sodom und Gomorra vernichtet, weil dort die Regeln komplett verdreht wurden. Sodom repräsentiert nach rabbinischer Tradition einen Fall von Egoismus: Es wurde dort den Armen aus Prinzip nicht geholfen und im Allgemeinen galt es „Was ist meins, ist meins und was ist deins ist deins“ (Pirke Awot). http://www.torah.org/learning/pirkei-avos/chapter5-13.html

Das Besondere an der Tora ist, dass ihre Gesetzte sowohl die Armen als auch die Reichen schützen. Sowohl die Minderheit als auch die Mehrheit die gleichen Rechte haben. Die Tora sagt: „Du sollst nicht der Mehrheit folgen zum Bösen und sollst vor Gericht deine Aussagen nicht nach der Mehrheit richten, um zu verdrehen. 3 Du sollst den Armen nicht beschönigen in seinem Prozess“ (2.B.M. 23,2-3)

Mit dem Begriff Nachhaltigkeit wird das Thema der sozialen Gerechtigkeit mit Umweltproblemen verbunden. In einer gerechten Gesellschaft sollen Menschen weder die anderen Menschen instrumentalisieren noch die Natur wie einen Gegenstand betrachten, der nach Belieben gezähmt und benutzt werden kann. Wir sind alle verbunden – wir sind ein Teil der Natur und des Ökosystems, ob wir es wollen oder nicht und wir sind mit den anderen Menschen verbunden. Wenn dieser Kreislauf versagt, werden wir nicht mehr existieren können. Die soziale Gerechtigkeit der Zedek soll soziale und ökologische Aspekte vereinen, erst dann ist Gerechtigkeit in einem umfassenden Sinne verwirklicht. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir alle im gleichen Boot sitzen, dieselbe Luft atmen und das gleiche Wasser trinken. Bezelem Elochim – alle Menschen wurden als Abbild G-ttes geschaffen, es gibt keine Gleichen und Gleicheren, alle verdienen den gleichen Respekt.

Mehr findest du in:

  • Schemot 22:24-26,
  • Wajikra 25:36-37,
  • Dwarim 23:20-1, 24:6,10-13,1