Schmitta (Schabbatjahr)

Schmitta ist eine Institution, die so alt ist wie die Tora. Schmitta, im Deutschen auch Schabbatjahr genannt, bedeutet, dass im siebten Jahr die Felder ruhen, also kein Ackerbau stattfindet. Am Jubeljahr der einmal in 50 Jahren, sofort nach dem Schmitta-Jahr einfällt, sollten die Schulden erlassen werden. Es gibt einen tiefen Grund, der uns dazu motivieren sollte, uns so zu verhalten: Die Erde gehört uns nicht. Wir sind hier nur für eine begrenzte Zeit und wir sollen diesen Platz nicht zerstören. Auch der Erde sollte manchmal Urlaub gewährt werden. Unsere Bedürfnisse sind nicht ein Zweck an sich, wir sollen unser Leben mit dem natürlichen Lebenszyklus in Einklang bringen.

Hier findest du die Quellen der Idee der Schmitta, die an mehreren Stellen in der Schrift wiederholt werden. Im Land Israel soll das Gebot unbedingt befolgt werden:

  • „Sechs Jahre sollst du dein Land besäen und seinen Ertrag einsammeln; aber im siebten sollst du es brach liegen und sich ausruhen lassen, dass sich die Armen deines Volkes davon nähren, und was sie übriglassen, mögen die Tiere des Feldes fressen; desgleichen sollst du mit deinem Weinberg und Olivengarten tun.“ Schemot 23:11,
  • „Wenn ihr in das Land kommt, das ich euch geben werde, so soll das Land dem HERRN einen Schabbat feiern. Sechs Jahre lang sollst du dein Feld besäen und sechs Jahre lang deine Reben beschneiden und ihre Früchte einsammeln. Aber im siebten Jahr soll das Land seinen Ruheschabbat haben, den Schabbat des Herren, da du dein Feld nicht besäen, noch deine Reben beschneiden sollst. Auch was nach deiner Ernte von sich selber wächst, sollst du nicht ernten; und die Trauben deines unbeschnittenen Weinstocks sollst du nicht ablesen, weil es ein Schabbatjahr des Landes ist.“ Wajikra 25:2-5.

Hinzu kommt die Tradition des Jubeljahrs. Wenn sieben Mal regulär Schmitta begangen worden war, sollten beim folgenden Mal die Schulden erlassen werden:

  • Und du sollst dir sieben solche Schabbatjahre abzählen, (…) Und ihr sollt das fünfzigste Jahr heiligen und sollt ein Freijahr ausrufen im Lande allen, die darin wohnen, denn es ist das Jubeljahr. Da soll ein jeder bei euch wieder zu seiner Habe und zu seinem Geschlecht kommen. Denn das fünfzigste ist das Jubeljahr. Ihr sollt nicht säen, auch nicht ernten, was von sich selber wächst, auch den unverschnittenen Weinstock nicht ablesen. Denn das Jubeljahr soll unter euch heilig sein; vom Feld weg dürft ihr essen, was es trägt. (Wajikra 25 1, 11-12) In diesem Jubeljahr soll jedermann wieder zu seinem Besitztum kommen. (Wajikra 25:13)

Das Jubeljahr ist eine revolutionäre Idee: Stell dir vor, dass alle auf einmal von den Schulden befreit sind und neu anfangen können. Eine solche Chance kriegen wir leider heute nicht mehr.

Selbstverständlich war auch damals die Theorie ein wenig von der der Praxis im Alltag entfernt: schon Hillel beobachtete, in welche Schwierigkeiten die Bedürftigen meistens gerieten, wenn sie im fünften oder im sechsten Jahr ein Paar Schkalim brauchten. Meistens wollte keiner zu dieser Zeit Geld leihen, denn die Schulden mussten im siebten Jahr getilgt werden. Um die Welt zu verbessern (Tikkun Olam) hat Hillel eine neue Regel eingeführt, die als Prosbul bekannt ist: Am Ende des sechsten Jahres ging man vor Beit Din (Gericht), welches erklärte, dass derjenige, der vor Gericht steht immer noch das Geld schuldet. (Mischna Gittin 4,4)