Tasria

TASRIA A

Tasria (Wajikra 12:1-13:59) 
Zarat 

Parascha auf einem Bein

Die Unreinheits- und Reinheitsgesetze werden in dieser Parascha weiterbehandelt. In der vorigen Parascha waren es die Gesetze über das Essen und die Mikwe, in der Tasria wird die Trennung zwischen Reinem und nicht Reinem fortgesetzt.

Nach der Geburt muss sich die Mutter reinigen. Sie soll in die Mikwe gehen (die Mikwe ist ein natürlich gesammeltes Wasser) und ein Opfer zum Tempel bringen. Ein neugeborener Junge muss am achten Tag nach seiner Geburt beschnitten werden.

Es wird auch über Zarat, eine Krankheit, gesprochen. Symptome von Zarat waren weiße oder rosa Flecken auf dem Körper. Um sie zu heilen, wurden Priester herbeigerufen. Die Person musste sieben Tage isoliert werden. Ihre Kleidung wurde danach entweder entfernt und verbrannt oder gereinigt. Danach wurde man als rein oder unrein erklärt.

Öko-Connection
Zarat: Sehen und Weisheit.

Der aktuelle Wochenabschnitt, Tasria spricht über Krankheit und Genesung. Zarat, das Thema dieser Parascha, war eine geheimnisvolle Plage, die durch keinen Arzt geheilt werden konnte. Nicht nur die Menschen waren davon betroffen, sondern auch die Kleider und Häuser. Die einzigen, die helfen konnten, waren die Priester (Kohanim), denn die Ursache dieses Problems war nicht physisch, sondern spirituell. Die Heilung führte durch drei Schritte: die Isolation, das rituelle Bad in der Mikwe und ein Opfer.

Zarat ist eine Lektion, die uns die Tora über seelische Heilung erteilt. Rabbiner Nathan Greenberg schreibt, dass in der jüdischen Tradition physische Balance ausdrücklich mit dem spirituellen Gleichgewicht zusammenhängt. Zarat ist, seiner Meinung nach, damit verbunden, dass der Kranke spirituell nicht im Gleichgewicht ist.

In Pirkei Awot finden wir einen Hinweis: „Wer ist ein Weiser? Der, der von jedem Menschen lernt.“ (Pirkei Awot 4:1) Im Talmud steht als Kommentar dazu, dass die echte Weisheit darin besteht, die Folgen der eigenen Wörter und Handlungen zu verstehen und vorhersehen zu können (vgl. Ta‘anit 32a).

Wenn der Zarat, die geheimnisvolle Krankheit, eine Metapher ist, sollten wir uns näher anschauen und uns fragen, was uns jetzt als seelische Plage quält, in der wir spirituelle Lehrer brauchen, die uns helfen. Der Talmud spricht über sieben Ursachen für Zarat, von denen eine Zarut Ain „Begrenztheit der Sicht“ heißt. Weisheit ist in der Tradition öfter mit Sehen verbunden, nach dem Motto: „Der Weise sieht die Ergebnisse vorher.“ Der Weise sieht die Konsequenzen, er kann die Ereignisse einschätzen und auswerten. Der Vision und Übersicht muss die Handlung folgen.

Rabbiner Greenberg macht darauf aufmerksam, dass die Deformation, die auf der Haut der Person erscheint, die von Zarat betroffen ist, Nega heißt. Daran kann man mit folgender Etymologie anknüpfen: Oneg bedeutet Glück und Nega - Leiden. Sie unterscheiden sich nur durch die Position des Buchstaben Ain, der wiederum für das „Auge“ steht. In Oneg steht Ain am Anfang. Das lehrt uns, dass wir vor allem Kraft und Talent zum Vorhersehen entwickeln sollen. Die Einsicht führt zur Freude. Daher sollen wir auch zukunftsorientiert sein und immer über die Konsequenzen unserer Taten nachdenken und daraus Schlüsse ziehen. Im Judentum sind die spirituelle und physische Welt miteinander verbunden, deswegen hat die Zerstörung der Umwelt seelische Folgen, schreibt Rabbiner Greenberg weiter. Wir sollen lieber falsche Handlungen von Vornherein vermeiden und ihre negativen Folgen vorhersehen als uns im Nachhinein mit den Folgen zu beschäftigen.

Es ist falsch, die unschönen Sachen zu übersehen. Um zu lernen und zu reflektieren, müssen wir die ganze Wahrheit kennen. Wenn wir dies nicht sehen, oder davon abgehalten werden, werden wir auch nicht weise. Ein Beispiel: Wir sehen nicht genau, wie unsere alltäglichen Gebrauchsprodukte hergestellt werden. Was passiert mit unserem Müll, wie umweltbelastend ist die Erzeugung vieler Produkte? Was wir sehen, sind schöne Bilder. Wenn die tatsächlichen Prozesse offengelegt würden, müssten wir uns vermutlich mit schmerzhaften Fakten konfrontieren. Damit wir wirklich lernen können, sollten wir auch das Unschöne wissen. Wir brauchen eine Vision und Weisheit, um die gebrochene Welt wiederherzustellen. Eine Schlussfolgerung im talmudischen Geiste fordert von uns Einsicht in die Dinge und richtiges Handeln.

Aktion

Lerne etwas über die Ökobilanz der unterschiedlichen Produkte. Wenn Du Englisch verstehst, kannst Du hier oder hier nachsehen: Diese Seiten erklären die Ökobilanz vieler Produkte.

Überlege, welche ‚schlechten‘ Dinge mit deinem Geld passieren, die du normalerweise nicht siehst. Das Geld, das du auf der Bank hast, liegt nicht wirklich dort. Deine Bank benutzt es. Erkundige dich, was sie damit macht. Sie gibt davon vielleicht Waffenfirmen, der Atomindustrie oder Diktatoren Kredit. Überlege, ob du dein Konto oder Sparbuch lieber bei einer Bank hast, die deinen ethischen und ökologischen Vorstellungen entspricht.

Lehren – Ideen zur Entwicklung

Falls Du unterrichtest, Aktionen durchführst oder es Deinen eigenen Kindern erklären musst, lass sie das Versteckte entdecken und sehen oder lernen, wie die Sachen entstehen und wie sie recycelt werden.

  • Ausflug: Finde ein Element des Alltags, über das Du wenig weißt, und entdecke es. Zum Beispiel: Plane mit ihnen einen Ausflug zu einer Recyclingstelle.
  • Freizeit: Technische Museen und Museen der Wissenschaft sind die besten Orte, in denen die Kinder sehr viel darüber erfahren können, wie die Sachen entstehen. Einige haben einen speziellen Fokus auf Kinder.
  • Naturwissenschaften-Bonus: Nachhaltigkeit ist ein Wissensbereich, in dem sehr viele Fragen darüber gestellt werden, wie die Sachen hergestellt sind. Es hilft definitiv, die Naturwissenschaften besser zu verstehen. Hier eine Auswahl der Kindermuseen, bzw. wissenschaftlichen Museen, die für Kinder attraktiv sind:
  • Ethik-Bonus: Untersuche mit Kindern Probleme wie Kinderarbeit bei manchen Produkten. Welche Konsequenzen hat sie? Was sagt das Judentum darüber?

Quellen

Die Leitgendanken des Geschriebenen stammen aus einem Artikel von Rabbiner Natan Greenberg “Healing Ourselves, Healing Our Planet”. Mit freundlicher Genehmigung und Kenntnis von Canfei Nesharim.