Emor

Emor

Emor (Wajikra 21:1-24:23)
 

Die Parascha auf einem Bein

Kohanim: Die Parascha Emor ("Sprich") listet mehrere Gesetze für die Priester auf, die bis heute für diejenigen gelten, die Kohanim sind. Jeder, der zu dem Stamm Aarons zählt, muss besonders vorsichtig sein. Er oder sie darf sich nicht durch die Berührung einer Leiche rituell verunreinigen, eine Ausnahme hiervon sind die nahen Verwandten. Ein Kohen darf weder eine geschiedene Frau noch eine Witwe heiraten, denn seine Braut muss eine Jungfrau sein. Ein Kohen mit einer körperlichen Verformung (mit einem Buckel, einer Behinderung, Blindheit etc.) darf nicht im Tempel dienen.

Opfer: Nur gesunde und schöne Tiere dürfen als Opfer dargebracht werden.

Mitzwa Oso W’es Beno: „Ein Stier, ein Schaf oder eine Ziege soll nach der Geburt sieben Tage bei seiner Mutter bleiben, und vom achten Tage an oder später wird es gnädig als Feueropfer für den Ewigen aufgenommen. Und einen Stier oder ein Schaf, sollt ihr nicht am selben Tag schlachten wie sein Junges“ (Wajikra 22:27-28).

Feiertage: In der Parascha Emor werden die wichtigsten jüdischen Feste noch einmal in Erinnerung gebracht. Diese Feiertage gehören zu den ältesten und wichtigsten jüdischen Feiertagen und sind mit der jüdischen Landwirtschaft und dem Arbeitsrhythmus von vor 2000 Jahren verbunden:

  • Der wichtigste Feiertag ist der Schabbat.
  • Am 14. Nissan („der erste Monat“) findet die Darbringung des Pessach Opfers statt.
  • Danach folgen sieben Tage der Pessach-Feier, während der die ungesäuerten Brote gegessen werden.
  • Am zweiten Tag des Pessach werden die Erstlinge der Gerste-Ernte als Opfer dargebracht und das Omer-Zählen beginnt. Danach werden 7 Wochen (49 Tage Omer) gezählt.
  • Der 50. Tag, nach sieben Wochen, ist der Schawuot, eine Erinnerung an die Tora-Übergabe. Die Ernte in Israel dauerte sieben Wochen. Der Beginn dieser Zeit war durch die Ernte der Gerste während des Pessachs gekennzeichnet. Sie endete während des Schawuots mit der Weizenernte.
  • Eine Erinnerung: Man darf nicht alles ernten, für die Armen sollen Reste gelassen werden (Wajikra 23:22). Schon in der letzten Parascha wurde über Pe’a gesprochen (Wajikra 19:9), man soll die vier Ecken des Feldes für die Mittellosen lassen, hier wird diese Pflicht der minimalen Hilfe bekräftigt.
  • Der siebte Monat, Tischrei ist voller Feiertage:
    • Der 1. Tischrei ist der Tag der Erinnerung an den Klang des Schofar.
    • Der 10. Tischrei ist der Versöhnungstag, der wichtigste Fastentag (Yom Kippur).
    • Danach, am 15. Tischrei, ist das Sukkot-Fest, 7 Tage wohnt man in den Hütten (eine Erinnerung an die Wüstenwanderung). Mit Sukkot beendet man die Obsternte.
    • Der 8. Tag des Monats Tischrei ist Schemini Azeret.

Schabbat: An jedem Schabbat soll man 12 Brote ins Heiligtum legen und Menorot anzünden.

Strafen: Am Ende der Parascha Emor werden die Todesstrafen für das Aussprechen des G-ttesnamen, für Mord und Totschlag genannt. Auch die Körperverletzung wird mit dem berühmten Zitat „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ (Wajikra 24:20) besprochen. Die Strafe für das Töten eines Tieres wird festgelegt.

Öko-Connection: unsere Pflichten gegenüber den Tieren

Biodiversität wird nicht nur in der Wissenschaft und Bildung geschätzt, wir finden auch einiges dazu in der Tora. Dass wir die Komplexität der Schöpfung nicht durchblicken können, war unseren Weisen schon immer klar. In der Midrasch Exodus Raba finden wir folgende Worte, die Rabi Acha bar Rabi Chanina zugeschrieben sind: „Selbst die Lebewesen, welche du für überflüssig in der Welt hältst, wie z.B. Fliegen, Flöhe und Mücken, gehören mit zum Ganzen der Weltschöpfung, wie es in Bereschit 1:31 heißt: „Und Gott sah alles, was er gemacht, und siehe, es war sehr gut“. Selbst die Lebewesen, die dir unnütz erscheinen, sagte Rabi Acha bar Rabi Chanina, wie die Schlangen und Skorpione, gehören mit zum Ganzen der Weltschöpfung.“ (Midrasch Exodus Raba 10:1).

In der Tora und der Kommentaren werden bestimmte Pflichten genannt, die wir gegenüber den Tieren haben. In der Parascha Emor wird über die Mizwa Oso W‘es Beno gesprochen: Man darf die Mutter und das Kind nicht am gleichen Tag schlachten. Eine weitere Mizwa aus der Parascha Ki Teze (Dwarim 21:10-25:19), die Schiluach Haken (Dwarim 22:6) heißt, verbietet uns, die Eier in Anwesenheit der Vogelmutter aus dem Nest zu nehmen. Die beiden Mizwot sensibilisieren uns für das Leid der Tiere. Im Kommentar zu dem letzten Problem, sagt Ramban (Nachmanides 1194 -1270), dass es zugelassen ist, von den Tieren zu profitieren, es ist aber verboten, Arten auszulöschen.

Es ist uns auch verboten, die unterschiedlichen Arten zu vermischen: Das gilt für Tiere genauso wie für Pflanzen. Dieses Verbot trägt den Namen Kilajim (deswegen darf man Wolle nicht mit Leinen vermischen. Wir dürfen die Natur und die Arten nicht nach unserem Gefallen gestalten und verändern. Wir sind mit ihr verbunden, aber wir dürfen sie nicht zerstören.

Alles in der Natur ist „nützlich“, nur nicht immer sind wir diejenigen, die profitieren. Es gibt keine „unwichtige“ Spezies und die Verkettung in der Natur hat keine hierarchische Gestalt. Es ist ein Netz der Verbindungen. Für uns sind sie Arten nicht nur dann brauchbar, wenn sie gegessen werden können. Sie produzieren auch Stoffe, die später einen medizinischen Gebrauch finden. Wir können viele technische Lösungen von der Natur lernen. Die unterschiedlichen Spezies bilden Systeme, die mit dem Menschen nicht unbedingt direkt zu tun haben. Von der Biodiversität hängen jedoch die Stabilität unserer Ernährungskette, frische Luft, gute Erde, sauberes Wasser und unser Wohlbefinden ab. Die Vielfalt in der Natur war schon in der Tora wichtig, was wiederum uns einen klaren Hinweis darauf gibt, in welche Richtung die Menschheit steuern soll.

Manche sagen, es gebe doch Tiere, die verschwinden könnten, hässlich seien, keinen Zweck hätten oder sollen sogar schaden würden. Eines Tages wunderte sich als Kind auch der zukünftige König David, welchen Zweck denn die Schöpfung einer Spinne habe. Sie mache zwar Netze, die aber lassen sich zu nichts nutzen. G-tt fragte David, ob er gerade seine Schöpfung auslacht und an seiner Weisheit zweifelt. Denn alles ist nützlich. Später musste David vor König Saul fliehen. Auf der Flucht versteckte er sich in einer Höhle. Eine Spinne fing an, den Eingang mit einem dicken Netz zu bedecken. Die Soldaten des Königs Sauls gingen einfach an der Höhle vorbei, denn wegen der Spinnweben dachten sie, die Höhle sei leer. So hat eine Spinne Davids Leben gerettet.

Wusstest Du

Unsere Zeit oder Epoche wird manchmal „das große Aussterben genannt“, denn das durch den Menschen bedingte Aussterben ist tausendmal schneller als das natürliche Aussterben der Tiere, und der Rückgang

der biologischen Vielfalt hat einen Einfluss auf uns, vor allem auf die Sicherung unserer Ernährung und unsere Gesundheit. Je weniger Arten wir essen, umso weniger gesund sind wir.

Was kannst Du machen?

Die Tiere und Pflanzen sterben, wenn ihr natürlicher Lebensraum zerstört wird. Das passiert wegen der Umweltverschmutzung oder Abholzung der Wälder. Die Überfischung ist ein weiteres Problem in den Meeren. Informiere Dich über die Produktionsumstände der Dinge, die Du kaufst.

Dein globaler Einfluss:

  1. Kaufe Produkte, die nicht auf Kosten der Umwelt produziert wurden. Bio Produkte und lokal hergestelltes Bio-Essen helfen der Biodiversität in Deiner Umgebung.
  2. Kaufe recyceltes Papier, oder Papier mit einem FSC- oder Blauen-Engel-Siegel.
  3. Informiere Dich, welche Unternehmen ihre Politik ändern und welche immer noch die Umwelt zerstören.
  4. Iss keinen Fisch aus bedrohten Beständen.

Bei Dir im Garten und zu Hause:

  1. Pflanze ein paar Blumen auf Deinem Balkon und meide chemischen Dünger. Du ziehst die unterschiedlichen Arten von Insekten und Bienen an. Bienen sind vom Aussterben bedroht und Du kannst ihnen Futter sichern.
  2. Wenn Du einen Garten hast, lass ihn ein wenig wild, oder plane hohes Gras. „Wild garden look“ kostet am Anfang ein wenig Arbeit, danach ist er leichter zu pflegen. Je weniger künstlich Du Deinem Garten anlegst umso besser für die Tiere.
  3. Im Herbst musst Du nicht alle Blätter harken, die Blätter dienen vielen Tieren als Versteck.
  4. Pflanze einen Baum. Er ist ein Haus für viele SpeziesJ.

Quellen:

Dieser Artikel wurde von Ora Sheinsons Kommentar zur Parascha Emor: „Our Relationship to Other Creatures” inspiriert. Mit freundlicher Genehmigung und Kenntnis von Canfei Nesharim.