Essensverschwendung

Wir erinnern immer wieder an Baal Taschchit, das Verbot des unnötigen Verschwendens. Dem zufolge ist es untersagt, Dinge unnötig zu verschwenden und wegzuschmeißen. Ein Gebot, das aus Zeiten stammt, in denen Essen teuer und wichtig [ist es heute nicht mehr wichtig?] war. Die Quelle des Verbotes betrifft die Obstbäume, denn es war verboten diese in der Zeit des Krieges zu fällen. (Levit…). Baal Taschchit ist neben Tikkun Olam der wichtigste Ansporn, um eine jüdische Ökologie zu entwickeln (5. Buch Moses (20,21)) „Wenn du eine Stadt für lange Zeit belagerst, so sollst du die Bäume um sie herum nicht zerstören (Baal Taschchit ), indem du die Axt gegen sie schwingst, sondern sollst nur von ihnen essen, sie selbst aber nicht umhauen. Das Judentum gibt uns nicht ausschließlich strenge halachische Vorschriften für den Alltag, sondern geht an vielen Stellen über bloße Handlungsvorschriften hinaus. Dies kann auch spannend und inspirierend sein und viel Rat für den Alltag und das Leben beinhalten . Es verleiht uns einen kritischen Blick und macht uns darauf aufmerksam, dass ein gutes Leben nicht möglich ist ohne Rücksicht auf uns selbst und auf unsere Umwelt. Das trifft besonders auf die Lebensbereiche zu, die heute so viel Erregung auslösen – nämlich unsere sich rasch ändernden Konsumgewohnheiten.

Unser Verhältnis zum Essen hat sich radikal geändert. Heutzutage verfügen wir über eine riesengroße Auswahl an Produkten, die uns zudem rund um die Uhr zum Einkauf bereitstehen. Daher erwerben wir oft mehr als wir tatsächlich brauchen– das Problem des überflüssigen Konsums ist eines der größten der westlichen Industriegesellschaften. Ein Prozess der Entfremdung hat stattgefunden und wir besitzen nur noch ungenügende Kenntnisse darüber, wie das von uns verzehrte Essen hergestellt wurde. Der geringe Preis sowie ein Leben im allgemeinen Überfluss haben zur Folge, dass wir Lebensmittel nicht mehr zu schätzen wissen und oft gedankenlos wegschmeißen. Auch in Deutschland sind die Preise für Lebensmittel vergleichsweise niedrig und werden oft in zu geringem Maße geschätzt. Auch deshalb empfehlen wir folgenden Film zum Thema:„Frischauf den Müll - Globale Lebensmittelverschwendung“.

„Mehr als die Hälfte unserer Lebensmittel landet im Müll. Das meiste schon auf dem Weg vom Acker in den Laden, bevor es überhaupt unseren Esstisch erreicht: jeder zweite Kopfsalat, jede zweite Kartoffel und jedes fünfte Brot. Das entspricht etwa 500.000 Lkw-Ladungen pro Jahr. Bis zu 20 Millionen Tonnen Lebensmittel werden jedes Jahr allein in Deutschland weggeworfen. Und es werden immer mehr.“ www.planet-schule.de/sf/php/02_sen01.php?sendung=8459

Wo das meiste Essen verschwendet wird:

Während der Produktion…

Die Bedürfnisse und der Geschmack der Konsumenten sind oft die Ursache für die Verschwendung: So verschwanden in den letzten Jahren aus unseren Geschäften krumme Gurken sowie kleinere Äpfel und Tomaten. Sie mussten dem Wunsch des Einkäufers nach Ästhetik und Einheitlichkeit weichen.

Das Verfahren der sogenannten Qualitätskontrolle spielt hierbei eine wichtige Rolle. Tristram Stuart beschreibt in seinem Buch: Waste: Uncovering the Global Food Scandal die Karottenproduktion in Großbritannien, bei der 25-30% des Gemüses aufgrund ästhetischer Gesichtspunkte weggeschmissen werden. Aus demselben Grund sind weitere Produkte nicht auf den Markt zugelassen: Äpfel, Bananen, Tomaten etc. müssen den Vorstellungen der Konsumenten entsprechen, wodurch sehr große Essensmengen in den Mülltonnen landen. In Geschäften und vor allem in Supermärkten mit großer Produktauswahl, werden täglich viele noch verzehrbare Lebensmittel weggeschmissen. Der Preis dafür, dass alles frisch und einheitlich daherkommt, sind ca. 50 Kilo Abfall von guten, unverfaulten Lebensmitteln pro Tag in einem durchschnittlich großen Supermarkt. In Großbritannien wurde auf nationaler Ebene die Aktion Love Food Hate Waste gestartet, die vor allem Supermärkten dabei helfen soll, Abfall zu vermeiden. Größere Institutionen und Firmen in den USA verwenden ein simples System der Abwägung um zugleich überflüssige finanzielle Ausgaben und Abfall zu vermeiden. Das System ist ein sehr einfaches: Um ein zu hohes Müllaufkommen zu vermeiden, werden die Essensreste immer abgewogen und dementsprechend weniger eingekauft. Das gleiche kann man in seiner eigenen Küche einführen.

und in unserer Küche

Zu Hause verursacht man zwar nicht den größten Schaden, wiederholt hier aber im Kleinen den grundsätzlich nicht richtigen Umgang mit Nahrungsmitteln. Diesen zu ändern ist einfach und zudem hilft ein besseres Planen der Einkäufe auch unseren Finanzen. Es geht hier also nicht nur um Umweltschutz, sondern es werden zugleich auch ethische Aspekte berührt: Das Prinzip von Baal Taschchit wird dadurch eingehalten, dass die Essensverschwendung auf ein Minimum verringert wird. Vor allem aber ist weggeschmissenes Essen vergeudetes Geld. Selbst wenn es sich nur um 50 Euro im Jahr handelt, lässt sich sicherlich Sinnvolleres mit dem Geld anstellen. Daher ein paar Tipps was du tun kannst, um die Verschwendung von Nahrungsmitteln zu vermeiden.

Vor allem:

  1. Analysiere den Inhalt deines Kühlschranks: Bei welchen Produkten ist das Haltbarkeitsdatum bald erreicht und welche schmeißt du allzu häufig weg? Versuche zukünftig vor allem diese Lebensmittel in kleineren Mengen zu kaufen.
  2. Fertige eine Liste mit allen Produkten an, deren Haltbarkeitsdatum bald abläuft. Versuche in den folgenden Tagen möglichst viele Nahrungsmittel aus dieser „Wegwerfliste“ bei der Zubereitung deiner Mahlzeiten zu verwenden.
  3. Lege dir einen Vorrat an trockenen Lebensmitteln zu. Nudeln, Reis und Bohnen sind lange haltbar und lassen sich prima mit Essensresten zuzubereiten.
  4. Koche nur so viel wie du auch essen kannst. Plane die benötigten Portionen im Voraus um Essensreste zu vermeiden (etwaige solltest du so schnell wie möglich verzehren)
  5. Plane deinen Einkauf:
  • Gehe nie hungrig einkaufen, sonst kaufst du wahrscheinlich mehr als du brauchst.
  • Schreibe vorher eine Einkaufsliste an die du dich hältst.
  • Zahle mit Bargeld, um ein Gefühl für die Kosten zu bekommen – die Zahlung per Karte macht uns manchmal blind gegenüber den ausgegebenen Summen und kann verursachen, dass wir mehr einkaufen als tatsächlich benötigt wird.