Schawuot

Nachdem die Juden – damals noch die Israeliten – aus Ägypten ausgezogen waren, folgte der wichtigste Moment in der Geschichte des Judentums: Die Übergabe der Tafeln mit den zehn Geboten. Heutzutage erinnert Schawuot, der auch als Tag der Übergabe der Tora gefeiert wird, daran. An diesem Tag ist es üblich die Tora, das Buch der Bücher, den ganzen Tag und die ganze Nacht zu lesen. Es gibt zwei ökologische Motive die wir mit diesem Tag verbinden wollen:

Erstens symbolisiert der Auszug aus Ägypten das Ende der Sklaverei und somit Freiheit. Die Geschichte der zehn Gebote lehrt, dass die Freiheit keine absolute, grenzenlose Freiheit sein kann. Wir sehen hier eine für die Tora typische Zweideutigkeit. Man erhält die Erlaubnis für eine Sache, aber nur mit Einschränkungen. Schon in Genesis steht geschrieben, dass die Menschen über die Erde herrschen sollen. Bald darauf wird jedoch dem neugeschaffenen Menschen gesagt, dass seine Macht gar nicht absolut sei und es gebe doch Regeln. Z.B. solle er keine Früchte von einem ganz bestimmten Baum im Garten Eden essen. Ein weiteres Beispiel ist koscheres Essen. Denn Juden dürfen Fleisch essen, aber nicht von jedem Tier. Auf den gleichen Gedanken deutet Schawuot: Die Befreiung aus der Sklaverei und die daraus gewonnene Freiheit hat ebenfalls Grenzen: Die Israeliten wollten G’tt anbeten und schufen hierfür das goldene Kalb. Die Intention war wahrscheinlich gut, aber es war leider alles andere als erwünscht. Bis heute repräsentiert das goldene Kalb in der jüdischen Tradition alles Ungewollte - Bis heute repräsentiert das goldene Kalb in der jüdischen Tradition alles Ungewollte - Assimilation oder die Aneignung verschiedener religiösen Praktiken, die vorerst in der jüdischen Kultur fremd waren.
Für uns heute kann das Kalb direkt als „Kult der Dinge“ – Götzendienst – verstanden werden.

Auch heute gibt es einen „Kult der Dinge“: Übermäßiger Konsum. Die Kultur der Dinge arbeitet nach dem Motto: „Ich bin was ich habe“. Das aber wirkt sich nicht nur schlecht auf die Umwelt oder die Leute, die in sklavenähnlichen Verhältnissen arbeiten müssen, aus, sondern beeinflusst uns alle. Sklaverei ist ein spiritueller Gedanke, der uns während des Pessachs beschäftigt. Der Konsum, tut uns nicht gut: Durch die Werbung werden uns Produkte als notwendig angepriesen. Anstatt unsere Zeit mit angenehmen Dingen zu verbringen, arbeiten wir uns tot oder nehmen einen Kredit auf, um die neuesten, tollsten und besten Dinge sofort kaufen zu können. Wir leben in einer Zivilisation, die Dinge verehrt. Dieses Denken ist genau der Grund, warum Mose die Tafeln mit zehn Geboten am Fuße des Berg Sinai zerschmetterte, nachdem er sah, was die Israeliten taten. Denn sie beteten einen Gegenstand an. Heute sind wir nicht sehr weit von diesem Zustand entfernt. Deswegen schreibe zu Schawuot deine Prioritätenliste mit Gegenständen die du wirklich brauchst und solchen, die nicht ganz so wichtig sind. Lasse dich und deine Zeit nicht von Shoppingmolls und Werbung bestimmen!

Die zweite ökologische Bedeutung Schawuots kann man mit einer uralten jüdischen Tradition verbinden: Der jüdische Kalender ist ursprünglich mit dem mindestens zweitausend Jahre alten Agrarkalender verbunden. Pessach, Omer- Zählen und Schawuot sind mit dem Zeitpunkt der Ernte verbunden: Es erinnert an das Bündnis zwischen dem Land Israel, und an den Rhythmus der Natur. Interessant mag die Tatsache sein, dass man am diesen Tag kein Fleisch essen soll, um an Israel, das Land von Milch und Honig und nicht an das Land von Honig und Fleisch, zu erinnern. Nicht zu vergessen, dass die Fleischproduktion heute die zweit größte Ursache für den CO² Ausstoß ist.