Rosch ha-Schana

Rosch ha-Schana ist der Name für das jüdische Neujahr, das immer am ersten Tischrei – zwischen Ende September und Anfang Oktober – gefeiert wird. Es symbolisiert den Tag, an dem der Mensch erschaffen wurde, und damit verweist es uns auf den Anfang des Buches Genesis. Man kann Rosch ha-Schana als Feiertag des Lebenszyklus interpretieren.

Rosh ha-Schana ist der Beginn der Teschuwa, einer Phase der Versöhnung und Verbesserung unserer Taten, in welcher die Menschen für das kommende Jahr entweder in das Buch des Lebens oder in das Buch des Todes eingetragen werden. Diese Zeit soll der Reflexion dienen und zur persönlichen Besserung beitragen. Rabbi Nachman aus Breslau lehrt: “Wenn du daran glaubst, dass es möglich ist Schaden anzurichten, glaube daran, dass du Schaden wieder gutmachen kannst.“

Wenn wir schon über Genesis sprechen, wollen wir dich auf den Schöpfungsmythos aufmerksam machen. Die Geschichte der Schöpfung wird zweimal erzählt (es sind das erste und das zweite Kapitel von Bereschit), was seit Generationen alle überrascht. In der ersten Geschichte schafft G-tt zuerst das Licht, als zweites den Himmel und als drittes eine eine Trennung zwischen Wasser über und unter der Erde. Im vierten Schritt trennt er Land von Wasser, schafft Pflanzen, dann als fünftes. Meerestiere und Vögel, als sechstes Landtiere, und danach am gleichen erschafft G’tt den Menschen. Der Mensch erscheint hier als Krone der Schöpfung, hat noch kein Geschlecht. In der zweiten Version in Bereschit 2, wird die Schöpfungsgeschichte ein wenig anders dargestellt. Es ist eine Geschichte, wonach der Mensch aus der Erde erschaffen wird – um wieder zu Erde zu werden: Erde heißt auf Hebräisch Adama, der erste Mensch Adam ist demnach ein Erdling. Der Mensch ist alleine, hat keine Gesellschaft außer derjenigen der Tiere und Pflanzen. G-tt kommt auf die Idee, dass der Mensch eine Gefährtin braucht, und schafft Eva aus Adams Rippe. Diese Geschichte zeigt, wie sehr der Mensch mit der Erde verbunden ist. Immer, wenn wir uns davon entfernen, werden wir (wie in der Geschichte vom Turmbau zu Babel) dafür bestraft. Wir sind aus Erde geschaffen und wir werden wieder zu Erde.

Wir haben deswegen eine spezielle Aufgabe während unseres Lebens zu erfüllen: die Schöpfung zu bewahren. Seit einigen Jahrzehnten ist diese Aufgabe noch wichtiger geworden. Seit den 80er Jahren entwickeln wir uns schneller, als es unser Planet verkraften kann. Heutzutage warnen uns Aktivisten und Wissenschaftler davor, dass es so nicht weiter gehen kann. Das Judentum antwortet mit Midrasch Rabba: „Als Gott den ersten Menschen schuf, führte er ihn zu allen Bäumen im Garten Eden und sagte zu ihm: ‚Schau Dir mein Werk an, wie wunderschön und hervorragend es ist … Achte darauf, meine Welt nicht zu ruinieren und zu zerstören, denn, solltest du sie ruinieren, wäre niemand nach dir, um sie zu reparieren.“ (Midrasch Bereschit Rabba 7:13)